Unsere Forschung zum gemeinschaftlichen Wohnen in alten Ortskernen
im Rahmen der NÖ Wohnbauforschung
Ergebnisse des Forschungsprojekts
Das Projekt zeigt, wie gemeinschaftliche Wohnformen Ortskerne beleben können – und bündelt Erkenntnisse in Form von Wegen zur Umsetzung und praxisnahen Empfehlungen für Baugruppen, Gemeinden und Eigentümer*innen.
Zentrale Erkenntnisse
- Erfolgsfaktoren
- Frühe Klärung der Organisationsform (z. B. Verein/Genossenschaft) schafft Verbindlichkeit gegenüber Gemeinde, Eigentümer*innen und Finanzierungsstellen.
- Frühzeitige, aktive Kooperation mit Gemeinde und Vernetzung mit der Ortsbevölkerung fördern Akzeptanz und Integration des Projekts.
- Eine gemeinsam getragene Vision, professionelle Bewerbung und ein strukturierter Gruppenaufbau beschleunigen die Konkretisierung.
- Realistische Rahmensetzung
- Altersmischung ist in kleineren Projekten schwer umsetzbar; Gruppen finden sich häufig innerhalb ähnlicher Lebensphasen.
- Hoher individueller Wohnflächenbedarf plus viele Gemeinschaftsräume übersteigt oft die finanziellen Möglichkeiten; Priorisierung ist notwendig.
- Prozesse sind langwierig; Geduld und klare Etappenplanung sind entscheidend.
- Standort und Liegenschaften
- Leerstände liegen oft in öffentlicher Hand oder werden aus Traditions- und Wertanlagegründen nicht veräußert; zugleich steigt das Risiko des Wertverlusts bei vernachlässigten Altbauten.
- Periphere Lagen mit über einstündiger ÖV-Anbindung sind für viele Baugruppen wenig attraktiv – Standorte mit besserer Erreichbarkeit haben höhere Realisierungschancen.
- Mehrwert für den Ort
- Offene Treffpunkte wie Café, Kultur- und Bildungsräume oder eine Foodcoop stärken Nachbarschaft und Nahversorgung; Beteiligungsformate vor Ort stoßen auf positive Resonanz.
Empfehlungen für die Praxis
Gemeinschaftliche Wohnformen können Ortskerne beleben – vorausgesetzt, alle Beteiligten ziehen in Planung und Umsetzung am selben
Strang. Die folgenden, praxiserprobten Empfehlungen zeigen, worauf es ankommt.
für Baugruppen
• Klare Vision entwickeln: Gruppengröße, Altersdurchmischung, gewünschte Aktivitäten und Balance zwischen Privatsphäre und Gemeinschaft klären.
• Integration fördern: Frühzeitiger Kontakt zur Gemeinde und aktive Teilnahme am Dorfleben erleichtern die Akzeptanz.
• Professionelle Unterstützung nutzen: Moderation bei Gruppenprozessen sowie Expertise in Planung und Finanzierung einholen.
für Gemeinden
• Leerstandsmobilisierung aktiv angehen: Eigentümer*innen ansprechen, Konzeptvergaben statt Höchstgebote fördern und
Anreize für nachhaltige Mobilität schaffen.
• Infrastruktur verbessern: Schnelles Internet, Nahversorgung und Mobilitätsangebote erhöhen die Attraktivität für Baugruppen.
• Bewusstseinsbildung betreiben: Informationskampagnen oder Exkursionen zu erfolgreichen Projekten stärken die Akzeptanz in der Bevölkerung.
für Eigentümer*innen
• Alternative Übergabemodelle prüfen: Baurecht, Vermietung oder Pacht ermöglichen eine langfristige Kontrolle über die Liegenschaft.
• Kooperation mit Baugruppen fördern: Eigentümer*innen können Teil der Gruppe werden oder ihre Liegenschaft gezielt für gemeinschaftliche Projekte bereitstellen.
für Umsetzungsteams (Gemeinde, Eigentümer*innen, Baugruppen)
• Gemeinsame Vision entwickeln: Eine klare Vision, getragen von allen Beteiligten, schafft eine solide Grundlage für die Zusammenarbeit. Externe Moderation kann helfen, unterschiedliche Interessen auszugleichen.
• Zeitliche Abstimmung sicherstellen: Unterschiedliche Zeitrahmen von Baugruppen, Gemeinden und Eigentümer*innen
sollten frühzeitig koordiniert werden, um Verzögerungen zu vermeiden.
• Transparente Kommunikation etablieren: Regelmäßiger Austausch zwischen allen Beteiligten minimiert Missverständnisse
und stärkt das Vertrauen.
Gemeinschaftliches Wohnen kann Ortskerne spürbar beleben, wenn Vision, Organisation und Zusammenarbeit früh geklärt sind und Prozesse realistisch in Etappen geplant werden. Akzeptanz im Ort entsteht durch transparente Kooperation, Beteiligung und nutzbare Mehrwerte im Alltag.